Seniorenbetreuung

Hilfe

07.09.2019

So helfen Sie Ihren Angehörigen, Pflege anzunehmen.

Für Menschen, die ihr ganzes Leben lang selbstständig und selbstbestimmt gemeistert haben, ist es im Alter oft schwer, Hilfe anzunehmen. Früher waren es schließlich die Eltern, die sich immer um ihre Kinder und Enkelkinder gekümmert, dabei auch den Haushalt bewältigt und gleichzeitig das Geld nachhause gebracht haben. Nun soll es plötzlich umgekehrt sein? Das akzeptieren viele ältere Menschen nicht und wollen sich nicht eingestehen, dass sie tatsächlich professionelle Hilfe durch eine Pflegekraft benötigen. Dr. Donna Cohen (Psychologin und Autorin von The Loss of Self: A Family Resource for the Care of Alzheimer’s Disease and Related Disorders) schreibt, dass die Ablehnung der dringend benötigten Hilfe die häufigste und schwierigste Herausforderung in der Pflege darstellt. Dieser Text soll Ihnen Hilfestellungen aufzeigen, wie Sie Ihre Angehörigen (z. B. Ihre Mutter oder Ihren Vater) dazu überzeugen, Pflegehilfe anzunehmen.

1. Frühzeitig das Thema Pflege angehen

Das Älterwerden, Krankheiten, Gebrechlichkeit und auch der Tod stellen in unserer Gesellschaft oftmals Tabu-Themen dar, über die man ungern spricht. Um jedoch frühzeitig das Problem zu umgehen, dass die Angehörigen später Pflege verweigern könnten, ist es wichtig, darüber zu sprechen. Im Idealfall fragen Sie Ihre Eltern schon im gesunden Zustand nach Ihren Wünschen und Bedürfnissen im Älterwerden. Das hilft Ihnen später, diese Wünsche umzusetzen und eine geeignete Pflegekraft zu finden.

2. Zuhören und die Gründe der Angst verstehen

Zunächst ist es wichtig herauszustellen, dass Sie Ihre Angehörigen auf keinen Fall zu einer Pflegekraft zwingen oder drängen sollten. Hier ist Geduld und Fingerspitzengefühl gefragt. Stellen Sie viele Fragen, hören Sie gut zu und bauen Sie Vertrauen auf. Finden Sie heraus, woher diese Angst kommt. In den meisten Fällen ist es die Angst vor dem Älterwerden und vor Veränderungen. Oder es liegt an der Angst vor dem Verlust von Unabhängigkeit und Selbstbestimmtheit. Wichtig ist es, die Sorgen und Ängste der älteren Person ernst zu nehmen und nicht herunterzuspielen. In Sorgen und Ängsten stecken auch Wünsche, die man bei der Suche nach einer geeigneten Pflegekraft ebenfalls berücksichtigen sollte. Schreiben Sie die Ängste und Wünsche auf, um anschließend geeignete Lösungen finden zu können.

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3. Angst nehmen und Vorteile aufzeigen

Nachdem Sie herausgefunden haben, woher die Ängste Ihres Angehörigen kommen, müssen Sie versuchen, ihnen diese auch zu nehmen. Sollte es die Angst vor dem Älterwerden selbst sein, dann zeigen Sie auf, was Ihr Angehöriger schon alles erlebt und bewältigt hat: So viele Erinnerungen und Erfahrungen, die ihm zu dem gemacht haben, was er heute ist und auf die man stolz sein kann. Erläutern Sie auch die Vorteile einer Pflegekraft: „Es ist jemand für dich da, du bist nicht allein.“ Ein wichtiger Vorteil der häuslichen Pflege ist auch, dass der Angehörige seine gewohnte Umgebung nicht verlassen muss. Dabei muss nicht unbedingt jede einzelne Aufgabe erklärt werden, die der Pfleger übernimmt, da das in manchen Fällen abschreckend wirken und überfordern kann. Betonen Sie besonders die schönen Aufgaben der Pflegekraft, wie z. B. das Kochen des Lieblingsgerichtes, Konzertbesuche oder Spaziergänge in der Natur. Dinge, die Ihr Angehöriger gerne tut.

4. Mitentscheiden lassen

Wenn es möglich ist, lassen Sie Ihren Angehörigen bei der Auswahl der Pflegekraft mitentscheiden. Besprechen Sie gemeinsam noch einmal die wichtigsten Anforderungen und schreiben Sie diese auf: Welche Eigenschaften sollte die Pflegekraft aufweisen, welche Aufgaben soll sie erfüllen, zu welchen Zeiten soll sie verfügbar sein etc.? Damit geben Sie Ihrem Angehörigen das gute Gefühl, dass seine Wünsche und Bedürfnisse ernst genommen werden und er am Entscheidungsprozess mitwirken kann.

5. Außenstehende miteinbeziehen

Binden Sie außenstehende Personen mit ein. In schwierigen Fällen sollte das unbedingt ein Psychologe sein, der die tiefgründigen Ängste und Probleme analysieren kann. In manchen Fällen hilft es aber auch, einen guten Freund des Angehörigen miteinzubeziehen, mit dem Ihr Verwandter gegebenenfalls offener und unbefangener sprechen kann als mit Ihnen.

6. Lassen Sie es langsam angehen

Überstürzen Sie nichts und erwarten Sie nicht, dass der Überzeugungsprozess Ihres Angehörigen sofort reibungslos funktioniert. Akzeptieren Sie es, wenn Ihre Mutter oder Ihr Vater Zeit braucht, um mit der neuen Situation zurechtzukommen und auch, um die Pflegekraft in Ruhe kennenzulernen. Laden Sie die Pflegekraft zunächst zu einem Kaffee ein, um alles Wichtige zu besprechen. Kurze Hausbesuche am Anfang als Eingewöhnung erhöhen das Vertrauen, anschließend können Sie nach und nach die Dauer der Besuche steigern. Geben Sie Ihrem Angehörigen stets das Gefühl, dass er bei allen Prozessen selbst mitentscheiden kann und dass er nicht allein gelassen wird.


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